Der Wolfram-Markt wird zum geopolitischen Minenfeld
Wolfram entwickelt sich vom Spezialmetall zum strategischen Machtfaktor. Das extrem harte und temperaturbeständige Metall wird unter anderem für Hartmetalle, Schneidwerkzeuge, Elektronik, industrielle Anwendungen sowie Verteidigungssysteme benötigt und besitzt damit eine Bedeutung, die weit über die klassischen Rohstoffmärkte hinausgeht. Gleichzeitig befindet sich die globale Versorgung in einer außergewöhnlichen Konzentration auf China. Genau diese Abhängigkeit wird für westliche Staaten zunehmend zum Problem, denn Exportbeschränkungen und eine aggressive Rohstoffpolitik erhöhen das Risiko, dass industrielle und militärische Lieferketten im Krisenfall unter Druck geraten.
Für Almonty entsteht daraus ein struktureller Rückenwind, der weit über einen normalen Rohstoffzyklus hinausgeht. Wer Wolfram außerhalb Chinas produzieren kann, liefert nicht lediglich ein Metall, sondern einen Baustein für industrielle und militärische Versorgungssicherheit. Die Bedeutung konfliktfreier Lieferquellen nimmt deshalb parallel zu den geopolitischen Spannungen zu. Almonty besitzt mit Sangdong in Südkorea, Panasqueira in Portugal sowie Projekten in den USA und Spanien genau jene geografische Diversifizierung, die westliche Abnehmer künftig benötigen dürften.

Sangdong wird vom Zukunftsprojekt zum Produzenten
Der entscheidende Schalter wurde in Sangdong umgelegt. Mit der Inbetriebnahme der Aufbereitungsanlage begann Anfang Juli die Verarbeitung des geförderten Erzes zu marktfähigem Wolframkonzentrat. Damit hat Almonty nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit den vielleicht wichtigsten Schritt seiner Unternehmensgeschichte vollzogen: Das südkoreanische Großprojekt befindet sich nun nicht mehr ausschließlich auf Bau- und Entwicklungsplänen, sondern bewegt sich in Richtung kommerzieller Produktion.
Für den kontrollierten Hochlauf steht ein Erzbestand von rund 139.700 Tonnen mit durchschnittlich etwa 0,25 % WO₃ zur Verfügung. Dieser Vorrat reicht für ungefähr 2,6 Monate der ersten Produktionsphase und besitzt auf Basis der enthaltenen Metallmenge einen rechnerischen Wert von rund 68 Mio. USD. Besonders interessant ist die Qualität des Anfahrmaterials: Selbst der zunächst eingesetzte niedrigere Erzgrad liegt ungefähr dreimal über dem durchschnittlichen Material der portugiesischen Panasqueira-Mine. Das Management nutzt die Anlaufphase bewusst, um Aufbereitung, Mischungsverhältnisse und Ausbringung zu optimieren, bevor höhergradige Bereiche stärker in den Produktionsmix einfließen.

Montana: Gentung könnte zum amerikanischen Wolfram-Joker werden
Nach dem Produktionsstart in Südkorea gewinnt die US-Plattform zunehmend an strategischer Bedeutung. Almontys Gentung-Projekt liegt im US-Bundesstaat Montana in einem historischen Wolframrevier und grenzt unmittelbar an das Pioneer Tungsten Project von Red Mountain Mining. Genau dort sorgen neue Explorationsergebnisse derzeit für zusätzliche Aufmerksamkeit. Red Mountain führt systematische Gesteinsproben auf den Greenstone- und Lost-Creek-Gebieten durch. Erste Untersuchungen lieferten Spitzenwerte von 3.159 ppm beziehungsweise 0,32 % WO₃ bei Greenstone und 2.856 ppm beziehungsweise 0,29 % WO₃ bei Mammoth. Diese Werte bewegen sich bemerkenswert nahe an den Gehalten des benachbarten Gentung-Vorkommens von Almonty, das mit 6,83 Mio. Tonnen bei 0,315 % WO₃ über eine substanzielle Ressource verfügt.
Sollten die laufenden Untersuchungen eine entsprechende räumliche Kontinuität bestätigen, könnten daraus Bohrziele und weitere Entwicklungsschritte entstehen. Die Geologie ist dabei besonders interessant, weil wolframführende Granat-Skarne entlang des Kontakts zwischen Granodiorit und kalkhaltigen Gesteinen auftreten. Damit erhält Gentung einen zusätzlichen strategischen Wert: Almonty könnte perspektivisch nicht nur südkoreanisches, sondern auch US-amerikanisches Wolfram in die westliche Lieferkette integrieren.
21 Jahre Umsatzvisibilität: GTP wird zum strategischen Anker
Noch stärker als die kurzfristige Preisentwicklung überzeugt die langfristige Absicherung der Sangdong-Erlöse. Almonty hat den Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders, einem Unternehmen der österreichischen Plansee-Gruppe, erheblich aufgewertet. Die Vertragslaufzeit verlängert sich um sechs Jahre auf insgesamt 21 Jahre, während das vereinbarte Liefervolumen um 40 % auf 4,41 Mio. MTU steigt. Zusätzlich verbessert sich die Preisbasis für die vertraglich vereinbarten Mengen um rund 6,3 %. Auf Basis der aktuellen APT-Preise ergibt sich daraus ein erwartetes jährliches Vertragsvolumen von rund 490 Mio. USD. Allein die verbesserten Konditionen könnten gegenüber der bisherigen Vereinbarung zusätzliche Einnahmen von rund 30 Mio. USD pro Jahr beziehungsweise etwa 630 Mio. USD über die gesamte Laufzeit ermöglichen. Der eigentliche Clou liegt jedoch in der noch nicht eingepreisten Expansion. Der Vertrag deckt rund 90 % der Produktion von Phase I in Sangdong ab. Die geplante Phase II, weitere Produktionssteigerungen in Portugal und potenzielle Beiträge aus den US-amerikanischen Projekten sind darin nicht enthalten. Almonty besitzt somit bereits einen langfristig abgesicherten Umsatzsockel und gleichzeitig erhebliche Mengen, die künftig zusätzlich vermarktet werden können.

Erste Zahlen zeigen den gewaltigen operativen Hebel
Wie stark dieser Hebel ausfallen kann, zeigen bereits die Zahlen des zweiten Quartals 2026 – obwohl Sangdong zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll hochgefahren war. Almonty erzielte zwischen April und Juni einen Umsatz von 43,0 Mio. CAD und damit 498 % mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Gegenüber dem ersten Quartal bedeutete dies nochmals einen Anstieg um 69 %. Gleichzeitig verbesserte sich das Ergebnis aus dem Bergbaubetrieb auf 26,1 Mio. CAD, während im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 0,9 Mio. CAD angefallen war. Noch wichtiger für die Beurteilung der operativen Qualität ist das bereinigte EBITDA von 17,6 Mio. CAD gegenüber einem Minus von 4,8 Mio. CAD ein Jahr zuvor. Der operative Cashflow belief sich im ersten Halbjahr auf 31,6 Mio. CAD nach einem Mittelabfluss von 14,9 Mio. CAD im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen verdeutlichen damit bereits vor der vollständigen Sangdong-Produktion, wie empfindlich die Ertragskraft auf den Wolframpreis reagiert. Der europäische APT-Referenzpreis lag im zweiten Quartal bei durchschnittlich rund 3.075 USD je MTU, verglichen mit lediglich 453 USD ein Jahr zuvor. Der ausgewiesene Nettogewinn von 181,8 Mio. CAD muss allerdings differenziert betrachtet werden. Darin enthalten waren 173,1 Mio. CAD an nicht zahlungswirksamen Bewertungseffekten aus Derivaten und Warrants. Für die operative Analyse sind deshalb EBITDA, Bergbauergebnis und Cashflow wesentlich aussagekräftiger. Und genau diese Kennzahlen zeigen eine klare Verbesserung der wirtschaftlichen Substanz.

Milliarden-Cash statt Finanzierungssorgen
Parallel zur operativen Transformation hat Almonty seine finanzielle Position auf ein völlig neues Niveau gehoben. Die im Juni abgeschlossene, deutlich überzeichnete Ausgabe von Wandelanleihen brachte brutto 800 Mio. USD ein. Ende Juni verfügte der Konzern damit über rund 1,23 Mrd. CAD an liquiden Mitteln – gegenüber lediglich 268,4 Mio. CAD Ende 2025. Diese Kapitalstärke verändert die strategischen Möglichkeiten erheblich. Almonty kann mehrere Projekte gleichzeitig vorantreiben, anstatt Wachstumsschritte nacheinander finanzieren zu müssen. Auf der Agenda stehen unter anderem die zweite Ausbaustufe von Sangdong, eine geplante Wolframoxid-Anlage in Südkorea, die Entwicklung des Gentung-Projekts in Montana sowie die Erweiterung von Panasqueira. Aus einem Unternehmen, das lange auf die Finanzierung eines einzelnen Großprojekts angewiesen war, wird damit ein Konzern mit einer ausgewachsenen Wachstumspipeline und erheblicher finanzieller Optionalität. Hinzu kommt, dass Almonty nach dem Quartalsende seinen KfW-Terminkredit vollständig zurückgezahlt hat.

Nur noch ein Listing konzentriert die Liquidität: Almonty ist in den Russell-Index aufgenommen
Auch auf der Börsenseite hat Almonty einen deutlichen Entwicklungssprung vollzogen. Ende Juni wurde die Aktie in den Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen. Damit rückt das Unternehmen in den Fokus einer wesentlich größeren Gruppe institutioneller Investoren und indexorientierter Kapitalströme. Zusätzlich konzentriert Almonty seine Börsenpräsenz stärker auf den US-Kapitalmarkt und die Nasdaq. Bereits heute entfällt der überwiegende Teil des täglichen Handelsvolumens auf den amerikanischen Börsenplatz, während eine Doppelnotierung zusätzliche Verwaltungs- und Compliancekosten verursacht. Durch die Bündelung der Liquidität an einem nordamerikanischen Handelsplatz plus Deutschland erwartet das Management effizientere Kapitalmarktstrukturen und eine noch stärkere Wahrnehmung bei internationalen Investoren. Dieser Schritt passt zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens, denn der wichtigste Wachstumstreiber – Wolfram als kritischer Rohstoff für westliche Verteidigungs- und Technologieketten – besitzt gerade in den USA eine hohe politische Relevanz. Die Börse beginnt damit, Almonty zunehmend nach anderen Maßstäben zu bewerten. Entscheidend sind künftig nicht mehr nur Ressourcen und Explorationspotenzial, sondern Produktionskapazität, Vertragsvolumen, Cashflow, Bilanzstärke und strategische Knappheitsprämien.
Jetzt kauft Almonty die eigene Unterbewertung
Das jüngste Signal des Managements ist besonders bemerkenswert: Almonty will bis zu 300 Mio. USD für den Rückkauf eigener Aktien einsetzen. Das am 17. August angekündigte Programm erlaubt den Erwerb von bis zu 14,4 Mio. Aktien beziehungsweise ungefähr 5 % des ausstehenden Kapitals über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Begründung von CEO Lewis Black ist ungewöhnlich direkt: Der Vorstand sieht eine Diskrepanz zwischen dem aktuellen Aktienkurs und dem Wert der strategischen Wolfram-Assets sowie den langfristigen Wachstumsperspektiven. Damit stellt das Management einen Teil der enormen Liquidität bewusst für die eigene Aktie zur Verfügung. Die konkrete Anzahl und der Zeitpunkt der Rückkäufe liegen weiterhin im Ermessen des Unternehmens. Sollten jedoch Aktien bei einer aus Sicht des Managements deutlichen Unterbewertung erworben und anschließend eingezogen werden, steigt der wirtschaftliche Anteil der verbleibenden Aktionäre an den Sangdong-, Gentung- und übrigen Assets. In Kombination mit mehr als 1 Mrd. CAD Cash entsteht damit eine ungewöhnliche Situation: Almonty kann gleichzeitig massiv investieren, Schulden reduzieren und bei attraktiven Kursen eigene Aktien zurückkaufen.
Die mittelfristigen Katalysatoren im Überblick
- Phase 1: Inbetriebnahme und Ramp-up in der südkoreanischen Mine Sangdong schreiten planmäßig voran
- Phase 2: Erhöhung der Mühlenleistung oder Neubau auf eine Zielgröße von 1,2 Mio. MTU pro Jahr
- Wolfram: 21-jähriger Abnahmevertrag mit dem Unternehmen GTP (USA) vereinbart
- Steigerung des Outputs der Panasqueira-Mine in Portugal perspektivisch auf bis zu 300.000 MTU
- Bohrprogramm in Sachen Molybdän gestartet
- Weiterverarbeitung von Wolframkonzentrat zu Wolframoxid, das für Halbleiter und Batterien verwendet wird
- LOI für die Downstream-Projektfinanzierung über 50 Mio. USD mit der KfW
- Niedrige Produktionskosten von geschätzt 126,80 USD je MTU (APT) - Marktpreis aktuell > 3.000 USD
- Produktion in den USA: Reaktivierung der historischen Mine Gentung in Montana
- Einbezug von Molybdän als weitere Cashflow-Quelle in Südkorea
Analysten sehen die nächste Bewertungsstufe
Auch die Analysten beginnen, die neue Ausgangslage zunehmend in ihren Modellen abzubilden. Cantor Fitzgerald bestätigte seine Kaufempfehlung und sieht ein Kursziel von 25,50 USD. D. A. Davidson geht mit 33 USD noch deutlich weiter und begründet die höhere Bewertung unter anderem mit dem Produktionshochlauf in Sangdong, den hohen Wolframpreisen und der zusätzlichen Projektpipeline. Besonders interessant sind die zugrunde liegenden Produktionsannahmen. D. A. Davidson erwartet, dass Almontys Wolframproduktion von derzeit rund 58.000 MTU aus Panasqueira bereits 2026 auf mehr als 300.000 MTU steigen und 2027 in Richtung 640.000 MTU klettern könnte. Bei einer langfristig konservativeren Preisannahme von 1.750 USD je MTU werden für 2027 rund 804 Mio. USD Umsatz und nahezu 700 Mio. USD bereinigtes EBITDA modelliert. Das sind natürlich Analystenszenarien und keine garantierten Ergebnisse – sie verdeutlichen aber den enormen operativen Hebel des Geschäftsmodells. Steigende Produktion trifft auf einen strukturell knappen Markt, während ein großer Teil der Kosten bereits weitgehend fixiert ist. Genau diese Konstellation kann bei hohen Wolframpreisen zu einer überproportionalen Ausweitung der Profitabilität führen.
Fazit: Der Wolfram-Engpass wird zum Almonty-Turbo
Almonty Industries steht heute an einem völlig anderen Punkt als noch vor wenigen Jahren. Sangdong geht in die Produktion, die Erlöse werden über einen 21-jährigen GTP-Vertrag langfristig abgesichert, die Bilanz verfügt über mehr als 1 Mrd. CAD Liquidität und die Projektpipeline reicht von Südkorea über Portugal bis nach Montana. Gleichzeitig zeigt das zweite Quartal mit 43 Mio. CAD Umsatz, 17,6 Mio. CAD bereinigtem EBITDA und 31,6 Mio. CAD operativem Cashflow im ersten Halbjahr bereits, welche Dynamik selbst vor dem vollständigen Produktionshochlauf möglich ist.
Besonders spannend ist die Kombination aus operativem und strategischem Hebel. Wolfram gehört zu den wenigen Rohstoffen, bei denen Geopolitik, Rüstungsindustrie und technologische Nachfrage unmittelbar auf eine stark konzentrierte Angebotsseite treffen. Almonty besitzt genau dort seine größten Assets – außerhalb Chinas und mit langfristigen Abnehmern aus dem westlichen Industriesektor.

Die jüngste Konsolidierung der Aktie sollte nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, dass sich die Fundamentaldaten während der Kurskorrektur weiter verbessert haben: Sangdong produziert, der GTP-Vertrag wurde massiv ausgeweitet, die Bilanz wurde mit 800 Mio. USD frischem Kapital gestärkt, die Aktie wurde in wichtige US-Indizes aufgenommen und nun signalisiert das Management mit einem möglichen Aktienrückkauf über 300 Mio. USD sogar selbst eine aus seiner Sicht attraktive Bewertung.
Damit entsteht eine bemerkenswerte, mittelfristige Ausgangslage.
Die Aktie hatte Mitte April 2026 bei 24,40 USD ihr bisheriges Hoch erreicht und korrigierte anschließend deutlich. Der Bereich um 11 bis 17 USD bildete aus charttechnischer Sicht eine wichtige Unterstützungszone. Almonty ist damit nicht länger nur eine Wette auf eine neue Wolframmine. Es ist zunehmend eine Wette darauf, wer künftig die westliche Wolframversorgung kontrolliert. Die NATO-Staaten jedenfalls machen keinen Hehl daraus, dass die Uhren heute anders ticken als vor 2022. Anleger sollten dies in ihrer Anlagestrategie verankern!

Hier geht´s zum neuesten Video von CEO Lewis Black mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk über die Nöte im Aufbau der westlichen Verteidigungs-Linie.
Das Update erfolgt auf unseren initialen Report 12/2021.