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20.06.2023, Autor: Stefan Feulner

Aktien-News: Plug Power - Grenzenloser Optimismus — Der Wasserstoffspezialist setzt sich exorbitante Wachstumsziele

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Die Frage sei erlaubt. Ist es wie in den vergangenen Jahren erneut ein Märchen aus 1000 und einer Nacht, oder hält das ambitionierte US-Wasserstoffunternehmen um den CEO und Marketingspezialisten Andy Marsh diesmal Wort? Nach Veröffentlichung der ehrgeizigen Wachstumsziele bis zum Jahr 2030 anlässlich des eigens organisierten Analystentages schoss die Plug Power-Aktie in der Spitze um mehr als 60 % in die Höhe. Somit glauben Anleger noch immer an die Story des Brennstoffzellenpioniers. Ob diese jedoch erfolgreich umgesetzt werden kann, wird sich bereits in den nächsten Monaten zeigen. Getrübt werden dürfte das blinde Vertrauen erneut durch eine größere Kapitalmaßnahme.


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Der feste Glaube an die Vision

Nicht selten glauben wir, was wir glauben wollen, weil es uns auf eine Art nützlich erscheint, oder uns Ängste nimmt. Der amerikanische Psychologe und Philosoph William James (1842-1910) illustrierte dies in seinem berühmten Aufsatz „The Will to Believe", übersetzt „Der Wille zum Glauben" mit dem Beispiel eines Mannes, der über einen Abgrund springen muss und weiß, dass er seine Angst nur bezwingen kann, wenn er fest daran glaubt, den Sprung auch tatsächlich zu schaffen. Im Falle von Andy Marsh geht es nicht um das Überspringen eines Abgrunds, sondern um das Erreichen der globalen Vorherrschaft in der grünen Wasserstoffwirtschaft. Und trotz Rückschlägen, Plug Power schrieb seit der Gründung vor rund 26 Jahren in keinem Quartal Gewinn, hält das positive Denken in der Firmenzentrale in Latham, New York, weiter Einzug.

CEO Andy Marsh: "Plug Power hat sich ein vertikal integriertes Wasserstoffgeschäft aufgebaut, das sich auf dem Weltmarkt rasch durchsetzt. Durch das Engagement hat sich das Unternehmen für den Bau, den Verkauf und den Einsatz echter Produkte als Marktführer in der grünen Wasserstoffindustrie positioniert." Quelle: Plug Power Inc.

Das Spiel mit den Potentialen

Dass die Umsatz- und Gewinnerwartungen im Jahresverlauf des öfteren revidiert werden, zeigte Plug Power im vergangenen Jahr eindrucksvoll. Die Zeitleiste der Herabstufungen können Sie in einem unserer früheren Updates nachlesen. Auch im ersten Quartal des Jahres 2023 blieb einer der größten Hoffnungsträger der globalen Wasserstoffwirtschaft unter den Erwartungen. Zwar stieg der Umsatz um 49 % auf 210,30 Mio. USD gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertraf die Prognosen der Analysten. Der Nettoverlust von -209,80 Mio. USD war jedoch annähernd so hoch und verfehlte deutlich die gesteckten Ziele. Die Gesamtbruttomarge verschlechterte sich auf -33 % gegenüber -25 % in den ersten 3 Monaten des Jahres 2022.

Durchbruch erwartet

Trotz Erlösen von lediglich rund 210 Mio. USD geht das Management von Umsätzen im Gesamtjahr von hohen 1,4 Mrd. USD bei einer positiven Bruttomarge aus. Über das Jahr hinaus scheint die Wachstumskurve exponentiell zu klettern, genauer gesagt 50 % pro Jahr bis zum Ende des Jahrzehnts. Die Umsätze sollen sich 2026 auf bereits mehr als 5 Mrd. USD bei einer Bruttomarge von über 30 % belaufen, 2030 sieht Plug Power Erlöse in einer Größenordnung von über 20 Mrd. USD. Die Bruttomarge soll danach über 35 % liegen, die Betriebseinnahmen sollen jenseits der 20 % sein. Dabei soll der Geschäftsbereich Energie mit Wasserstoff und Elektrolyseuren den Löwenanteil von 14,4 Mrd. USD zum Umsatz beitragen. Das bisherige Stammgeschäft Applications steigt bis dorthin auf 5,6 Mrd. USD.

Während des Analystentages in der hochmodernen Gigafactory in Rochester, New York, sprach Plug Power ebenso über die operativen Meilensteine, die gesetzt werden sollen. So hat sich das Unternehmen vorgenommen, bis 2030 mehr als 2.000 t Wasserstoff pro Tag aus seinem grünen Wasserstoffnetzwerk zu produzieren, einschließlich seiner ersten Anlage im Kilotonnenmaßstab. Außerdem will Plug bis 2030 ein GW an stationären Stromerzeugungsprodukten einsetzen, 5 GW an Elektrolyseuren pro Jahr und 500.000 brennstoffzellenbetriebene Gabelstapler ausliefern. Zudem positionieren sich die US-Amerikaner so, dass es über die Produktionskapazitäten für 10 GW Brennstoffzellen und Elektrolyseure verfügt und durch seine Partnerschaft mit Renault bis 2030 100.000 HyVia-Kleintransporter auf der Straße haben will.

Die Plug Power-Aktie konnte aufgrund der letzten Meldungen ihren seit Anfang 2021 etablierten Abwärtstrend durchbrechen. Durch die Überkauftheit kam es jedoch unter hohem Volumen zu Abverkäufen. Ein nochmaliger Test des Trends bei aktuell 9,51 USD scheint nicht unwahrscheinlich Quelle: Refinitiv Eikon, Stand: 19.06.2023

Wachstum kostet Geld

Durch die noch immer anhaltenden hohen Verluste sanken das Cash und die Barmitteläquivalente per Ende des ersten Quartals auf 474,86 Mio. USD. Deutlich zu wenig, um das riesige Marktpotenzial ausschöpfen zu können. Somit ist eine weitere Kapitalmaßnahme, wir gehen in Kürze von einer Veröffentlichung aus, unumgänglich. In der Vergangenheit wurden die Altaktionäre schon fast beispiellos verwässert. So stieg die Anzahl der Aktien seit dem IPO um den Faktor 138, während der Börsenkurs um mehr als 95 % in die Knie ging. Diesmal soll jedoch alles anders werden. So gab Plug Power anlässlich des Analystentages bekannt, dass jährlich rund 1 Mrd. USD in Wasserstoffinvestitionen fließen sollen. Als Instrumente sollen diesmal jedoch Projektfinanzierungen, Eigenkaptal auf Projektbasis, Unternehmensanleihen sowie Finanzierungsoptionen mit dem Energieministerium vorgezogen werden, um eine weitere Verwässerung der Altaktionäre zu vermeiden. Wir werden sehen!

Zwischenfazit

Trotz des schwachen ersten Quartals hob Plug Power die Jahresprognose für 2023 auf 1,4 Mrd. USD an und sieht bis zum Ende des Jahrzehnts Wachstumsraten von jährlich 50 % bei stark steigenden Bruttomargen. In der Tat hat sich das Unternehmen mit seiner Infrastruktur bestens aufgestellt, um zu einem der etablierten Player der Wasserstoffwirtschaft heranzuwachsen. Ob diese ambitionierten Prognosen nach mehreren Enttäuschungen aus den letzten Jahren umgesetzt werden können, darf zumindest angezweifelt werden. So endet das Update erneut mit einem Zitat eines bekannten Denkers. So hieß es in Goethes Faust: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

Das Update erfolgt auf den initialen Report 02/2022


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